Frühlingsgefühle

Der Frühling durch die Lande zieht, der Übermut regiert.                                                                                               Von jedem Telegraphenmast es fröhlich tiriliert.
Ein Star, ein bunter, ganz schön keck, sitzt auf dem Fernsprechkabel,                                                                            und tut 'nen wunderschönen Pfiff aus seines Herzens Schnabel.
Ein Starenweibchen recht entzückt, erreicht die schöne Weise.                                                                         Verschämt wirft sie den Blick zurück und sieht sich um im Kreise.
Errötend schaut sie an, den Sänger, ziert sich noch ein wenig.
Längst ist 's geschehen um mich weiß sie und hebt den Kopf allmählich.
Es treffen sich die Blicke zart, vertiefen sich ganz selig.                                                                                             Am ersten Ton hat sie's erkannt, er ist ihr's Herzens König.
Von nun an reisen sie zu zweit, in südliche Gefilde                                                                                                             und führen einzig und allein die Liebe nur im Schilde.

Bettina Zarneckow


undefined

Coronavirus – die Italiener singen, in Deutschland wird die Familie ausgeschaltet?

Eine nunmehr praktizierte Form der Verhinderung der Verbreitung des Coronavirus ist die Isolierung von Menschen.Und ich werde mich davor hüten, gegen die vielen gut überlegten Entscheidungen in Frankfurt/Oder, im Land Brandenburg oder Deutschland auch nur ein bisschen zu polemisieren. Vertrauen in die Institutionen ist gerade in schweren Zeiten erste Bürgerpflicht. Doch gerade deshalb müssen wir uns bei allen Entscheidungen fragen, ob wir wissen, was wir tun. Um die richtigen Konsequenzen ziehen zu können. Die schwierige und im Wesentlichen wohl auch selbstverschuldete Lage der Italiener kennen wir alle. Dennoch sage ich mit großer Bewunderung, von den Italienern lernen, heißt mit der Quarantäne umgehen zu lernen. Sie leben auf staatliche Anordnung quasi nur noch in ihren Wohnungen. Aber sie singen. Zu festen Zeiten stehen sie auf den Balkonen, ganze Straßen singen, angeblich besonders intensiv ihre Nationalhymne – da fällt mir Gianluigi Buffon von Juventus Turin ein, der durch seinen intensiven Einsatz beim Singen der Nationalhymne unsere Fußballhelden schon vor Beginn eines Länderspiels schwach aussehen ließ. Ob das mit dem Singen in Deutschland klappt, weiß ich nicht. Manfred Stolpe sang bei vielen Gelegenheiten mit einer gewissen Leidenschaft die Landeshymne “ Märkische Heide” und schuf dadurch ein Gefühl der Zusammengehörigkeit. Er kann das aber nicht mehr. Soziale Isolation kann ältere Menschen krank machen. Gleiches gilt auch für Kinder und Jugendliche. Sehr kurz gesprochen und da würde ich mir doch den Beitrag eines Fachmannes auf diesem Blog wünschen: Interaktion stärkt das Herz und das Immunsystem. Die Gesundheitsminister aller Bundesländer empfehlen, den Umgang von Enkelkindern mit ihren Großeltern zu vermeiden. Schwierig gerade auch für berufstätige Eltern, die angesichts geschlossener Kitas und Schulen ihre Kinder bei den Großeltern nur mit schlechtem Gewissen “parken” können. Wenn dann etwas passiert? Was sagen die Nachbarn? Vielleicht wäre das auch für ein durchgeknalltes Jugendamt der noch fehlende Mosaikstein. Die Großeltern gefährden dabei gar nicht ihre Enkel, da Kinder angeblich eine Infektion im Normalfall gut wegstecken. Durch die “Umgangssperre” sollen vielmehr die Alten geschützt werden, die bei einer Infektion stark gefährdet sind. Sehr zugespitzt, was ist schlimmer für die Großeltern, die soziale Isolation oder die Gefährdung durch das Virus. Oder gibt es ein sowohl als auch? Wir sollten überlegen, welche Möglichkeiten bestehen, den Umgang der Enkel mit den Großeltern zu organisieren, ohne Ächtung durch die Gesellschaft und ohne deren Gefährdung. Ich will es nicht damit bewenden lassen, dass Großeltern selbst entscheiden sollten, was sie sich zumuten wollen und ihre gut gemeinte Ausschaltung den Hauch einer Altersdiskriminierung in sich birgt. Lassen wir diesen ideologischen Anwurf lieber weg. Besteht die Möglichkeit, dass die Enkel mit ihren Großeltern gemeinsam auf längere Zeit in ihren Wohnungen oder auf ihren Eigenheimgrundstücken isoliert werden, so dass die von der Gesellschaft dringend benötigten und gestressten Eltern unbelastet ihrer Arbeit nachgehen können? Natürlich ist es in vielen Fällen so, ist die Wahrscheinlichkeit zumindest gegenwärtig gering, dass gesund wirkende Kinder tatsächlich mit dem Virus infiziert sind. Schließlich sind Großeltern in der Regel fit, gesunder Stress durch Enkel ist vielleicht sogar hilfreich. Die Unterbringung bei den Großeltern stoppt die Verbreitung des Virus vielleicht auch besser als die Hilfe von Eltern, die sich mit anderen bei der Betreuung ihrer Kinder zusammen tun – selbst wenn das natürlich auch eine Option wäre.

Deshalb liebe Gesundheitspolitiker, konsultiert die Familienpolitiker und sucht ganz schnell und möglichst gestern Wege, wie die Familie nicht getrennt sondern gemeinsam den Kampf gegen Corana aufnimmt. Und sorgt für finanzielle Anreize …! Über all das und viel mehr sollten wir miteinander sprechen. Meine These: Die Einfriedung des Virus soll die Familie stärker machen. Machen wir aus der Not eine Tugend.

Reinhart Zarneckow

Alles unter dem Himmel

Unbedingt lesen! Zhao Tingyang, Alles unter dem Himmel, Vergangenheit und Zukunft der Weltordnung, Suhrkamp Wissenschaft, 2020, 266 S.

Es besteht ein merkwürdiger Kontrast zwischen der allseits anerkannten wachsenden Bedeutung Chinas in den internationalen Beziehungen und den defizitären Kenntnissen der deutschen clase discutidora über das, was die Denker im Reich der Mitte zu sagen haben. Um so verdienstvoller ist es, wenn jetzt der Suhrkamp-Verlag Zhaos „Alles unter dem Himmel, Vergangenheit und Zukunft der Weltordnung“ in einer deutschen Übersetzung herausgegeben hat. Zhao Tingyang ist Professor an der Chinesischen Akademie der Sozialwissenschaften in Peking. Das Nouveau Magazine Littéraire zählte ihn dieser Tage zu einem der 35 weltweit einflussreichsten Denker.

Zhaos Buch steht ganz im Dienst der Frage nach einer dem aktuellen Stand der Globalisierung entsprechenden Daseinsordnung, einer Ordnung, „welche die Inklusion der Welt realisiert“. Dafür steht der aus der chinesischen Antike entliehene Name Tianxia (Aussprache: Tiänchia). Der gravierende Unterschied zum strategischen Denken des Westen und die damit anvisierte Voraussetzung für allgemeine Sicherheit und Frieden ist, dass die Welt prinzipiell „ohne Außen“ als ein inklusives Geschehen gedacht wird. Politische Leitlinie ist dabei ein antihegemoniales und antiimperialistisches System internationaler Beziehungen! „Das Konzept des Tianxia“, schreibt Zhao, „zielt auf eine Weltordnung, worin die Welt als Ganzes zum Subjekt der Politik wird, auf eine Ordnung der Koexistenz (order of coexistence), welche die ganze Welt als eine politische Entität betrachtet. Die Welt unter dem Aspekt des Tianxia zu begreifen, bedeutet, die Welt als Ganzes zum gedanklichen Ausgangspunkt der Analyse zu machen, um eine der Realität der Globalisierung adäquate politische Ordnung entwerfen zu können. Die vergangene und gegenwärtig fortbestehende Dominierung der Welt durch Imperialmächte beruht auf dem Konzept des Staates und des nationalen Interesses. Diese Mächte hoffen auf den Fortbestand einer vom Imperialismus dominierten Welt und betrachten alles, was sich nicht an deren Aufteilung beteiligt, als zu dominierenden ´Rest der Welt´ (the rest oft the world). Die imperialistische Weltanschauung betrachtet die Welt als Objekt der Unterwerfung, Beherrschung und Ausbeutung und keinesfalls als Subjekt.“

Die Methodologie des Tianxia verzichtet deshalb bewusst auf die polemischen Begriffe des „außenstehenden Fremden“ und des „Feindes“. Denn jede Politik, die Feinde braucht, ist das Gegenteil von dem, was wahre Politik leisten soll, nämlich Feinde in Freunde umzuwandeln. Wie das oben stehende Zitat zeigt, verkennt Zhao Tingyang nicht, dass der Politikansatz der heute maßgeblichen Mächte nicht vom Tianxia, sondern von ausgeklügelten Strategien der Dominanz, der Eindämmung, wirtschaftlichen Sanktionen, Embargos und militärischen Interventionen sowie dem Kampf um kulturelle Hegemonie bestimmt wird. Die große Frage ist nun aber, warum alle diese durch diverse Denkfabriken gestützten Politiken, die stets auf einen Kampf bis zum bitteren Ende hinauslaufen, keinen einzigen der großen Konflikte dieser Welt lösen können – weder den zwischen Israelis und Palästinensern, gar nicht zu reden von den blutigen Schlächtereien im Mittleren Osten, der Konfrontation zwischen Russland und dem Westen oder die sich gefährlich hochschaukelnde Rivalität zwischen den USA und China? Mag die eine Partei zeitweilig auch die Oberhand gewinnen, so führen strategische Nachahmung oder Gegenschläge der anderen Seite zu Niederlagen, wenn man gerade noch sicher war, den Sieg bereits vor Augen zu haben (die Ereignisse im Irak, Syrien oder Afghanistan liefern diesbezüglich aktuelles Anschauungsmaterial). Um festzustellen, ob eine Strategie auf Dauer tragfähig ist, „gibt es nur ein objektives Kriterium: Wenn eine Strategie bei allgemeiner Nachahmung keine Revanchereaktionen produziert, ist sie eine positive Strategie, von der alle profitieren. Mit anderen Worten, wenn eine allgemein nachgeahmte Strategie nicht auf den Spieler zurückschlägt, also den Nachahmungstest bestanden hat, dann ist sie eine gute Strategie.“

Der aufmerksame Leser wird an dieser Stelle an Kants kategorischen Imperativ denken, den Zhao Tingyang hier auf die Ebene der internationalen Beziehungen transponiert. Zhao hat offensichtlich eine Vorliebe für die klassischen deutschen Rechtsdenker. Sein Buch kann ohne weiteres als chinesische Fortführung von Immanuel Kants Schrift „Zum Ewigen Frieden“ gelesen werden. Als Meta-Konzept, welches alles Lebendige, soweit es kompatibel ist, gewähren und fortleben lassen will, könnte die Neudefinierung des Politischen durch das Tianxia jedenfalls geeignet sein, die kollektive Ratlosigkeit und Blockade im Hinblick auf die internationalen Konflikte aufzubrechen.

William A. Callahan hat den bösen Verdacht geäußert, hinter dem Tianxia-System stecke womöglich eine Pax Sinica. Ein solcher Verdacht ist denunziatorisch, denn das heutige China ist ein souveräner Staat wie die USA und eben kein Tianxia, worauf Zhao Tingyang ausdrücklich zur Vermeidung von Irrtümern hinweist. Ob die „Belt and Road Initiative“ des chinesischen Staates, auf die in diesem Zusammenhang gerne angespielt wird, Zhaos Philosophie des „kompatiblen Universalismus“ entspricht, wird sich zeigen. Eine grobschlächtige China-first-Strategie ist sie vermutlich eher nicht.

Abschließend sei darauf verwiesen, dass die Philosophie des Tianxia tief in der chinesischen Kulturgeschichte verwurzelt ist und sich nicht zuletzt auf Weisheitslehrer wie Konfuzius und Laozi beruft, worauf in dieser Besprechung leider nicht eingegangen werden konnte. Da gibt es manches zu entdecken, was uns helfen kann, die fatalen Verkürzungen der westlichen Weltsicht zu relativieren. Wenn es stimmen sollte, was in letzter Zeit von zunehmend mehr Historikern behauptet wird, dass wir bereits in das asiatische Zeitalter eingetreten sind, könnte ein solcher Versuch kaum schaden.

Rolf Henrich

Schönes… – Was mich berührt!

Wer seiner Seele etwas Gutes tun möchte, der sollte diese Bücher lesen:

Ein Auszug aus Hölderlins Hyperion – Hyperion an Diotima:

Fromme Seele! Ich möchte sagen, denke meiner, wenn du an mein Grab kömmst. Aber sie werden mich wohl in die Meersflut werfen, und ich seh es gerne, wenn der Rest von mir da untersinkt, wo die Quellen all und die Ströme, die ich liebte, sich versammeln und wo die Wetterwolke aufsteigt und die Berge tränkt und die Tale, die ich liebte. Und wir? O Diotima! Diotima! Wann sehen wir uns wieder? Es ist unmöglich und mein innerstes Leben empört sich, wenn ich denken will, als verlören wir uns. Ich würde Jahrtausende lang die Sterne durchwandern, in alle Formen mich kleiden, in alle Sprachen des Lebens, um dir einmal wieder zu begegnen. Aber ich denke, was sich gleich ist, findet sich bald.

Große Seele! Du wirst dich finden können in diesen Abschied, und so lass mich wandern! Grüße deine Mutter! Grüße Notara und die andern Freunde! Auch die Bäume grüße, wo ich dir zum ersten Male begegnete, und die fröhlichen Bäche, wo wir gingen, und die schönen Gärten von Angele, und lass, du Liebe!, dir mein Bild dabei begegnen. Lebe wohl.

Über Hölderlin aus dem Buch „Der Kampf mit dem Dämon“ von Stefan Zweig:

So tritt, erlesen und verflucht, zwischen Einsamkeit und Einsamkeit diese irdische gezeugte, göttlich durchdrungene Gestalt des Dichters, berufen, das Göttliche göttlich zu schauen und es den Irdischen im irdischen Bildnis fühlbar zu machen. Von den Menschen kommt er, von den Göttern ist er gefordert: Sein Dasein ist eine Mission, er ist die klingende Stufe, auf der „treppenweise das Himmlische niedersteigt“.

B.Z.

Moralplebs oder wir wollen unseren alten Außenminister Genscher wiederhaben

Ein Interview mit Leyla Antaki aus Aleppo, nachzulesen https://csi-schweiz.ch/artikel/frauen-fuer-frauen-kriegsopfer-erhalten-ihre-wuerde-zurueck/ Zugegeben, sie ist Christin und lebt seit 25 Jahren mit einem Arzt immer noch in der seit 2016 wiedervereinten Stadt, ist nicht geflohen und saß auch nicht im Gefängnis. Die Christian International Solidarity gilt als islamkritisch, im Interview wird die Wiedervereinigung Aleppos im Jahre 2016 gar als Befreiung bezeichnet. Doch bei allen Vorbehalten, sie berichtet auch über den Zustand der Stadt drei Jahre danach. Der Großteil der Stadt ist zerstört. 80 Prozent der Bevölkerung sind auf Nahrungshilfe angewiesen. Größere Investitionen bleiben aus, die Einwohner sind verarmt. Andererseits beginnt das Leben im Zentrum der Stadt wieder zu pulsieren. Abends sind die Straßen beleuchtet, der Wiederaufbau von Häusern und Wohnungen hat begonnen, Straßencafes sind wieder offen. Sie selbst hat eine Firma “Heartmade” für Kleidermode mit 10 Mitarbeiterinnen gegründet. Das alles erscheint durchaus glaubhaft. Aber es gibt auch die andere Seite von Syrien. Nach Berichten wird durch die Regierung systematisch Folter eingesetzt. In Syrien herrscht seit 2011 ein Bürgerkrieg, viele große und kleine Mächte bestimmen längst die Lage.

Das politische Leben in Deutschland ist gegenwärtig bestimmt von Erdogans Kapriolen. Er fühlte sich dazu berufen in Syrien zu intervenieren, ist militärisch erheblich in die Klemme geraten und erschreckt deshalb besonders die mit einer Beißhemmung geschlagenen braven Deutschen mit der Drohung eines neuen Flüchtlingsstromes der Millionen. Wenn Idlib fällt, dann befindet sich nicht etwa unser Freund Erdogan in Schwierigkeiten, wir in Europa und Deutschland sollen es sein. Und da sind ja auch noch hunderttausende Afghanen, die sich für die Demokratie in ihrem Land mutig eingesetzt haben, die politisch verfolgt und in großer Not ihre Heimat verlassen werden, weil die umsichtigen USA Afghanistan aufgeben, Deutschland treu und klug im Gefolge.

Die Linke Frau Wagenknecht hat kühl und knapp, wahrlich nicht zur Freude ihrer Genossen, auf die Notwendigkeit von Investitionen in Assads Syrien hingewiesen. Deutschlands Pforten sollten ungeachtet aller Drohungen Erdogans vor dem durch ihn organisierten Flüchtlingsstrom geschlossen bleiben.Wenn Syrien eine Zukunft, wenn es wenigstens eine bescheidene Infrastruktur hat, erst dann haben die Syrer eine Wahl, ob sie Richtung Europa marschieren oder es doch lieber mit den schwierigen Verhältnissen ihrer Heimat aufnehmen, wenn sie nicht gar in der Türkei bleiben wollen.

Ich fabuliere: Frau Merkel bietet Herrn Putin Unterstützung bei der Streichung der für Russland und Syrien bestehenden Sanktionen an, auch wenn das Regime Assad davon profitiert. Deutschland eröffnet wieder seine diplomatische Vertretung in Damaskus. Investitionen fließen nach Syrien, die Infrastruktur wird verbessert. Die ca. 15 Millionen noch im Lande Lebenden sehen für sich eine Perspektive und bleiben im Land.

Eine Reminiszenz:

Am 21.8.1968 besetzte die Sowjetunion Prag und beendete den Prager Frühling. Die westliche Welt war empört und hielt sich tapfer zurück, die Chancen für demokratische Verhältnisse waren in ganz Osteuropa dahin. Das Jahr 1969 wurde der Beginn einer neuen Ostpolitik, Wandel durch Annäherung. Willy Brandt und Egon Bahr verhandeln mit Breshnev, dessen Name mit der Niederschlagung des Prager Frühlings zutiefst verbunden war.

Deshalb sollte die Bundesregierung mit einer mutigen Politik der Vielfalt statt Einfalt im Nahen Osten in memoriam Willy Brandt versuchen, den Menschen in Syrien zu helfen und so konsequent deutsche Interessen wahrnehmen.

Erster Schritt: Ein neuer Außenminister.

Reinhart Zarneckow

Gedankenspiel

Im schönsten Sinne sich verlieren,
ist doch nur manchmal uns beschert.
Von stetem Gang spürbar pausieren,
wird dir nicht allzu oft gewährt.

Ein Augenblick erfasst den Geist,
du sinnest, sehnst dich, schwebst, bis frei.
Der Alltag wohltuend entgleist.
Der Sorgen Last wird einerlei.

Siehst träumend in des Himmels Zelt
und in dich selbst hinein.
Beschaulich wird die große Welt,
und jede Angst wird klein.

Doch nicht der Wunsch nach Tages Traum
verschafft das Sichverlieren.
Kein Wille und Kalkül gibt Raum,
dies Sinnenglück zu spüren.

Ganz unverhofft durch Zufalls Walten
kanns gebend dich umschließen,
in Schöpferlaune dich erhalten,
dein Selbst wirds sehr genießen.

Lass Stille zu in deinem Leben,
plan nicht, gib Zeit Gelegenheit.
Der Gleichmut sei dein einzig Streben,
nur so die Seele dir gedeiht.

Dann wird auch dich ganz sanft erfassen,
im Sein die schönste Leichtigkeit.
Des Alltags Schwermut wird verblassen,
Nun bist auch du fürs Glück befreit.

B.Z. im Februar 2020

Ists denn zu glauben

Wars gestern nicht, als mir wurd klar,
dass kaum ein Blatt am Baum mehr war?
Sie tanzten in des Windes Wehn,
Herbst war es und das Jahr wollt gehn.
Mein Innres war noch angefüllt
mit Sommers buntem Blumenbild,
für immer wollt ich gerne sein
im aller wärmsten Sonnenschein.
Doch findst in dieser Jahreszeit,
du Tage voll Geborgenheit.
Im warmen Zimmer kannst du bleiben,
lässt Sehnsucht und Gedanken treiben.
Verfolgst der Jahreszeiten Wende,
denn jeder Herbst hat auch ein Ende.
Der Winter kann dich nicht verdrießen,
im Geist siehst du längst Blumen sprießen.
Kein Frost des nachts, ein milder Tag,                                                                                                                                          ein Knösplein schon den Ausblick wagt.                                                                                                                                      Nun endlich unter Sonnes Walten                                                                                                                                                 wird die Natur sich neu gestalten.
Und was im Herbste ward verweht,                                                                                                                                                 das nun im Frühling neu entsteht.

Bettina Zarneckow März 2020




Freude und Zuversicht – reicht das nicht?

Bei Facebook las ich kürzlich von einem Vorfall in der Frankfurter Straßenbahn: Eine asiatische Studentin wurde von einer deutschen Mitbürgerin beschimpft und verunglimpft. Warum? Sie hustete. Sie solle nach Hause abhauen, weil die Asiaten das Coronavirus einschleppen würden und ob sie sie anstecken wolle. Die weinende junge Frau wurde von ihren Kommilitonen getröstet und eine mitreisende Deutsche wies die Frau, die völlig außer sich über die Studentin herzog, zurecht. Der Verfasser des Posts belässt es leider nicht beim Lob der Zivilcourage der Mitreisenden. Er stellt die Deutschen wieder einmal unter den Generalverdacht der Ausländerfeindlichkeit in dem er fragt: „Ist es schon wieder so weit? Sind wir schon wieder da angelangt?…“u.s.w. Wir erhalten mit erhobenem Zeigefinger eine Warnung vor latenter Ausländerfeindlichkeit der Deutschen. Freude allein über das Eintreten von Menschen für andere darf nicht aufkommen. Der Finger muss moralisch belehrend in „die Wunde“ gelegt werden.

Dazu folgende Schrift:

„…..Neue Zuversicht entsteht nicht im Herumlärmen, darin, sich mit der eigenen Meinung wichtig zu machen. Erst recht nicht darin, dass man Panik auslöst, denn so werden Menschen blind vor Angst und wissen sich nicht mehr zu helfen oder fuhrwerken ohne Sinn und Verstand herum. Diese Art von Pessimismus ist wirklich die Pest. Um uns herum lebt dieser Pestizismus: In manchen politischen Äußerungen, die uns in Angst und Schrecken versetzen wollen. In Horrorgemälden, die den Untergang der Welt heraufbeschwören. Das lähmt – oder es macht aggressiv. Angst lässt das Meer nur immer bedrohlicher werden je mehr man sich hineinsteigert, desto schlimmer wird es. …..

……Einen Anker im Leben zu haben versinnbildlicht Erdung statt Abgehoben sein, Bodenhaftung statt ziellosem sich Treibenlassen oder wild gewordenem Agieren. Was braucht diese Welt notwendig: Klaren Sinn für die Realität, Achtung vor dem menschlichen Leben von der ersten bis zur letzten Sekunde und leidenschaftliche Visionen für das respektvolle Zusammenleben von Menschen. Wir brauchen getroste Zuversicht im Herzen und im Hirn….

…Natürlich gibt es Situationen, in denen man alles grau in grau oder nur noch schwarz sieht. Das kann einem wirklich passieren. Aber tragisch wird es, wenn wir anfangen, uns selbst, unsere Gesellschaft und Welt abzuschreiben, wenn wir die Zukunft ganz und gar verloren geben. Das ist die wahre Gefahr des Pessimismus, das ist eine Pest, wenn wir fatalistisch und kraftlos werden, wenn wir nichts mehr machen wollen. …

…7 Wochen ohne Pessimismus – das ist der Elan, mit dem man in die Fastenzeit gehen sollte, um unser Leben und das anderer aus einer neuen, hoffnungsvollen Perspektive heraus zu betrachten. Und wir können genau hinschauen, was im Blick auf unser Leben und das anderer nicht stimmt, was von uns konstruktiv getan werden muss und kann. Schwungvolle Zuversicht, Mut und Elan werden uns selbst, diese Welt und ihre Menschen eher verändern als alle Unkenrufe. Wir brauchen einen hellwachen Geist und ein mitfühlendes Herz, damit wir die Wirklichkeit wahrnehmen, wie sie ist, und uns nach den Möglichkeiten umtun, mit denen wir sie erhalten können oder sie verändern, wo es notwendig ist.“

Auszüge aus der Predigt von Susanne Breit-Keßler, 1.März 2020 Zuversicht! Evangelische Pauluskirche Marburg

Das hat mich erfreut und beruhigt und gibt mir Zuversicht.

Bettina Zarneckow

Die gesamte Schrift ist im Internet beim ZDF nachzulesen.

https://static4.evangelisch.de/get/ccd/7bHAScVgTs4nxWS8_05dk1K000251406/download

Eckhart Wolfs Tui-Binsen

Die Einpeitscher im „Kampf gegen Rechts“ liefern in der Regel die besten Argumente gegen ihr Tun selber.

Stets danach fragen: Welche Gruppierung gegenwärtig das Recht auf politische Idiotie gepachtet hat.

Einen Linken, der sich vorbehaltlos gleichermaßen gegen linke wie gegen rechte Gewalt ausspricht, nennen seine Genossen politisch unklug.

Der Hashtag „Wir sind mehr“ bestätigt mit seinem Namen, dass er mit der Mehrheit der Mitläufer übereinstimmen will.

Mit ihren Urteilen zur Meinungsfreiheit haben Richter für Krethi und Plethi die Möglichkeit eröffnet, sich jederzeit und überall in der Öffentlichkeit auszukotzen.

Die Reden moralisierender Politiker sind allemal erhabener als ihre Motive.

Nur im Nichtdazugehören kann man das taktische Denken hinter sich lassen.

Jede Ordnung ist illusorisch. Unordnung ist trotzdem keine Lösung!

Eckhart Wolf