Den Teufel spürt das Völkchen nie

Den Teufel spürt das Völkchen nie / und wenn er sie beim Kragen hätte“

(Mephisto zu Faust in Auerbachs Keller in Leipzig)

Ein Künstlerfreund sandte mir gestern aus einem Berliner U-Bahnhof dieses Werbeplakat und rühmte den „Weltenhumor“: Eine Hauptstadt im Ausnahmezustand, in der die wirtschaftliche, kulturelle und demokratische Teilhabe am Boden liegen und über Bußgeldkataloge eiserner Gehorsam eingeübt wird, und gleichzeitig in den U-Bahnhöfen die Werbung für eine derzeit laufende Ausstellung zur diktaturerprobten Hannah Arendt im Berliner Deutschen Historischen Museum, wenn nicht….

Über der Hauptstadt liegt ein Hauch von drohender Weltwirtschaftskrise und der Vorschein eines heraufziehenden hysterisch-totalitären Hygienestaates. Es ist die Stunde der Regierungssprecher und Senatskanzleien, Statistik und der Deutungshoheit einer Sichtweise eines staatlichen Vireninstituts. Kritische Öffentlichkeit , umfassendere fundierte Abwägung in interdisziplinärer Beratung auch der sozialpsychologischen und sozialorganischen Implikationen der staatlichen Bevormundung und Erlasse ist in den Untergrund verbannt und sortiert sich dort notdürftig unter Versammlungsverbot und drastischen Bußgeldandrohungen…. – Panik nagt an der sprichwörtlichen Resilienz, dem Humor und der Gelassenheit der Berliner. „Berlin Du bist so wunderbar“ des Berliner Kindl ist auf unbestimmt vertagt. Der faustische diesjährige Osterspaziergang findet mit Mundschutz und Sicherheitsabstand unter Strafandrohung statt. Wollen mal sehen, was Mephisto noch in der Trickkiste hat.

MKR/ 31. März 2020

Ein Gedanke zu “Den Teufel spürt das Völkchen nie

  1. Katharina Schumann

    Mephistopheles äußert sich wie folgt:

    Verachte nur Vernunft und Wissenschaft,
    Des Menschen allerhöchste Kraft,
    Laß nur in Blend- und Zauberwerken
    Dich von dem Lügengeist bestärken,
    So hab ich dich schon unbedingt –
    Ihm hat das Schicksal einen Geist gegeben,
    Der ungebändigt immer vorwärts dringt,
    Und dessen übereiltes Streben
    Der Erde Freuden überspringt.
    Den schlepp ich durch das wilde Leben,
    Durch flache Unbedeutenheit,
    Er soll mir zappeln, starren, kleben,
    Und seiner Unersättlichkeit
    Soll Speis und Trank vor gier’gen Lippen schweben;
    Er wird Erquickung sich umsonst erflehn,
    Und hätt er sich auch nicht dem Teufel übergeben,
    Er müßte doch zugrunde gehn!

    Faust I

    Liebe Grüße und bleiben Sie gesund!

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