Sanfte Lethe

Schutzgott der Liebe, der in mir waltet, 
und deine Flanke dir offen ließ.
Ich kann ihn nicht verraten. 
Doch du hast's längst getan,
ihn schweigend begraben, das Schicksal gebogen. 
Gib mir vom Wasser der Lethe zu trinken.
Ich will vergessen - Kümmernis, doch Liebe auch.
Verbluten wird aller Schmerz 
und alles Sehnen wird ein Ende haben. 
Wie einst - als Fremde - will ich erneut dich finden 
und ahnen von dem was war.
Unsere Stimmen vernehmen ihren Klang, wie aus ferner Zeit. 
Wie die Seelen, ähnlich gefärbt, 
wird der Geist staunend sich selbst im anderen erkennen.

Verwehtes trägt vertrauten Glanz.

Bettina Zarneckow

Halt fest, was dich bewegt


Wie will man Sinnliches bewahren,
das Weltliche der Welt?
Den Schmerz, die Trauer, den Verdruss 
und manchen tränenreichen Kuss?
Die Liebe reich doch unerfüllt, 
die Sehnsucht stark und unverhüllt?
Das Glück, die Freude, Fröhlichkeit, 
die trunkene Glückseligkeit?
Erlebtes schwebt im Rauch dahin,
nur Asche ist's was bleibt. 
Verbrannt wird alle Weltlichkeit.
Ihr Zunder ist die Zeit. 
Die Kunst, aus diesem letzten Staub 
die Lohe neu zu zünden, 
kann mit der Fügung Wort an Wort
des Dichters Werk begründen. 
So wird entflammen, was verloren, 
zum Quell von Sinnlichkeit. 
Das Wort, es spricht in Welt und Zeit 
und mit ihm Unvergänglichkeit.

Bettina Zarneckow