Hört auf mit der Heuchelei – zur Beendigung des Krieges klare Forderungen an Russland und die Ukraine auf den Tisch

Da gibt es nach einer heutigen Erklärung des ukrainischen Botschafters Melnyk defätistische Pseudointellektuelle wie den Philosophen Precht, der mit Seinesgleichen zum sofortigen Waffenstillstand im Ukrainekrieg aufruft. Vom Aufruf habe ich gehört, gelesen habe ich ihn zwar noch nicht. Ich rechne mich dennoch schon jetzt zu den Defätisten.

Da gibt es die Grünen, die SPD und die CDU/CSU, die der Ukraine Geld und Waffen liefern und sie neben vielen Sanktionen mit einem Gasembargo quasi unbegrenzt weiterhin unterstützen wollen. Zumindest solange, bis die Ukraine aus eigener Entscheidung bereit ist, in Verhandlungen mit dem Aggressor Russland zur Beendigung des Krieges zu treten.

Ich stelle mir das so vor: Das Parlament der Ukraine (die Rada) und der ukrainische Präsident wissen, dass Europa und die USA den Verbündeten Ukraine finanziell, mit Waffen und Sanktionen auf Dauer unterstützen werden. Bis die Ukraine souverän entschieden hat, in Verhandlungen mit Russland zur Beendigung des Krieges zu treten. Die scheinbar bedingungslose Unterstützung – Militär will die NATO nicht einsetzen – ist auch glaubhaft, weil schon seit längerer Zeit und immer mehr geliefert wird. Überdies sagt Europa/Deutschland den Wiederaufbau der Ukraine zu. Und da soll die Ukraine aufgeben? Wäre das nicht Defätismus?

Ich bin davon überzeugt, dass der tapfere ukrainische Präsident Selensky das Leben seiner Ukrainer schützen und das Beste für sein Land will. Er will vielleicht immer noch und sogar unverzüglich verhandeln. Kann er das aber überhaupt ?

Wie soll angesichts einer bedingungslosen umfangreichen Unterstützung aus den USA und Deutschland/Europa der beredte Präsident die Rada, die ausgehungerte Wirtschaft, die gierigen Oligarchen, die tapfere Armee und seine schwer geprüften Ukrainer mit den vielen Verlusten an Leib und Leben, ja sich selbst davon überzeugen, im Rahmen einer Verständigung auf nur einen Quadratmeter Land zu verzichten? Ohne als Defätist dazustehen, wie es schon jetzt Herr Melnyk bei Herrn Precht und Konsorten exerziert. Was wird Herr Melnyk seinem Präsidenten antun?

Hier beginnt aber auch die Heuchelei der westlichen Politiker mit Herrn Biden, Herrn Macron und Herrn Scholz an der Spitze. Sie wissen genau, dass der ukrainische Präsident vor der ukrainischen Öffentlichkeit mit Putins Russland einen Verständigungsfrieden – beispielsweise unter Abgabe der Krim – von sich aus nicht mehr vorschlagen und riskieren kann.

Wird das Ende des Krieges in der Ukraine mit einer Atommacht von Herrn Biden also überhaupt gewollt? Oder geht es um eine „Ermattung“ der Russen? Der USA-Experte Prof. Hacke hat das zuletzt in der Sendung Maischberger kritisch zum Thema gemacht, unsicher beäugt von Frau Maischberger. „Die USA bekämpfen Russland bis zum letzten Ukrainer“, zitiert der Journalist Küppersbusch einen amerikanischen Journalisten in der gleichen Sendung und überzeichnet so hoffentlich die wahre Lage der Ukrainer um einiges. Jedenfalls kann sich so Vietnam oder Afghanistan mit vielen toten Amerikanern nicht wiederholen, „denkt der Präsident“.

Glauben wir an das Gute im Menschen.

Deshalb fordere ich folgende Forderung an Kiew aus Berlin und erinnere den Bundeskanzler an seinen Amtseid:

Die Ukraine muss verhandeln und Verluste für die Beendigung des mörderischen und von Russland ausgegangenen Krieges akzeptieren, wenn sie weiter unterstützt werden will:

Verlust der Krim, eine neutrale Ukraine, keine Zugehörigkeit zur NATO.

Oder anders gesagt, die Ukraine ist souverän und kann entscheiden wie sie will – dann aber ohne Unterstützung und Anreize zum Durchhalten von außen.

Ich sehe keinen Grund dafür, dass meine Kinder, nein alle Deutschen leiden und sich Sorgen machen müssen, weil die Ukrainer nicht auf etwas verzichten wollen oder sollen, was de facto aus vielen Gründen – eine zweite lange Geschichte – schon 2014 verloren gegangen ist.

Reinhart Zarneckow

P.S. Wenn die NATO heute eine zweite Eiszeit – Demokratie gegen Autokratie – ausruft, wird sie die Bürger, die wegen der Erwärmung des Planeten durch CO2 in großer Sorge sind, damit auch nicht beruhigen.

Unerwünscht

Ein Mensch geht seinen Weg durchs Leben, 
mit Koffern, herzbefüllt. 
Sein Wunsch, den Reichtum zu verschenken, 
bleibt gänzlich unerfüllt. 

Wer mag schon derart viel Gefühl? 
Wie soll man's deponieren? 
Deshalb verschließt er sein Gepäck. 
Er würde doch erfrieren. 

Man fand ihn still auf einer Bank, 
die Koffer fest umschlungen. 
Kein Wort kam mehr aus seinem Mund. 
Sein Wünschen war verklungen. 

Bettina Zarneckow 

Mit diesem Gedicht, das ich in Anlehnung an seine Gedichtreihe „Ein Mensch“ geschrieben habe, möchte ich an Eugen Roth erinnern. Und diejenigen, die ihn nicht kennen, auf ihn aufmerksam machen.

„Vom Ernst des Lebens halb verschont ist der schon, der in München wohnt.“ Eugen Roth (1895-1976, deutscher Lyriker)

wurde ebendort geboren und lebte zeitlebens in der Stadt. Seine Gedichte und Geschichten habe ich vor vielen Jahren entdeckt, als ich eine nicht ganz einfache Zeit in meinem Leben durchstehen musste.

„Er war der Mann fürs Heitere, das er – wie kein Zweiter – im Ernst des Lebens fand.“ (Deutschlandfunk 24.01.2020). Seine Überzeugung war, dass aller Humor auf einer Grundtrauer beruht. Aber auch ernste Texte zählen zu dem, was er uns hinterlassen hat. In Zeiten, die wir gerade erleben, können Lebensweisheiten aus seiner Feder tröstende Ablenkung von bedrückenden Nachrichten des Alltags sein. Seine scheinbar leichten Verse haben einen wohltuenden Tiefgang. So empfinde ich es.

„Ein Mensch vergesse eines nicht: auch Unwägbares hat Gewicht!“ Eugen Roth

Bücher von Eugen Roth: „Ein Mensch“, „Sämtliche Menschen“, „Mensch und Unmensch“, „Mir geht’s schon besser, Herr Professor“

Eigenliebe

– oder nichts ist gemeint, so wie es scheint – eine Lebenserfahrung

Manchmal lassen einen Dinge nicht los, die der Vergangenheit angehören. Mir hilft, sie aufzuschreiben, um sie ablegen zu können. Archivieren bringt Ordnung und hilft beim Bewahren. Nicht alles sollte man vergessen. Nicht alles möchte man vergessen. Erfahrungen machen das Leben aus und sind hilfreiche Geländer. (siehe meine „Erinnerungen“ 08/2020, hier im Blog) Mit klarem Blick zurück habe ich Folgendes aufgeschrieben. Besser zu verstehen ist es wohl für denjenigen, der Ähnliches erlebt hat.

Wenn ohne Grund ein Herz dir weicht, 
ganz einfach deine Segel streicht,
nach guten, kreativen Zeiten, 
dann lohnt es nicht darum zu streiten. 

Wer unstet strebt - sucht nur Gewinn -
und so verpasst des Lebens Sinn,
dem weine keine Träne nach.
Sein Stachel schon zu oft dich stach. 

Am Weg zu seinem Paradies,
er manchen achtlos stehen ließ; 
ihn obendrein um Rat noch fragte,
sich seelisch reichlich an ihm labte.

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Es braucht Distanz für klare Sicht,
denn Nähe schützt vor Torheit nicht. 

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…

Sein Schicksal, wie ein Déjà vu, 
spielt stets die gleiche Melodie. 
Mal himmelhoch, dann tief betrübt, 
zu oft sehr hart darin geübt.

Dabei war er einst hoffnungsfroh, 
dann kam sein Warten auf Godot...

Fortan lebt er in Gegensätzen, 
womöglich will er nicht verletzen. 
Nur hat er oftmals keine Wahl, 
sonst wird er selbst zu seiner Qual. 
 
Bedrückt durch egomanes Treiben, 
ist es von Vorteil fern zu bleiben. 
Grad noch erkannt, wenn auch geschunden,
half Abstand trefflich beim Gesunden.

Dem armen Tropf hab ich vergeben. 
Er muss mit seinem Fatum leben.
Ich hörte zu, hab mitgetragen,
doch das ist Schnee aus fernen Tagen.

Bettina Zarneckow

„Hoff, o du arme Seele, hoff und sei unverzagt!“ Paul Gerhardt