Resonanz – sich berühren lassen und antworten

Meine Antwort auf Deinen Geburtstagsbrief

Lieber Christoph,

hab vielen Dank für Deinen Geburtstagsbrief. Er hat mich berührt und einige Denkprozesse in Bewegung gesetzt.

Wer tauscht heute schon noch Briefe aus? Ich! Gern sogar. Deshalb habe ich mich auch so sehr über Deinen gefreut! Wenn es die Zeit erlaubt und ich Muße habe, nehme ich dafür sogar einen Füllfederhalter und ordentliches Briefpapier. Der Gedanke, einen Briefbogen in der Hand zu halten, den vorher der Absender in seiner hatte, der Anblick seines Schriftbildes – hat das nicht auch etwas mit Resonanz zu tun, wie Hartmut Rosa sie beschreibt? Im Interview des DLF wird er nach dem Ausdruck im Gesicht eines Menschen gefragt, der einem begegnet. Resonanz? Ja, natürlich!

Von Hartmut Rosa habe ich das erste Mal vor eineinhalb Jahren gehört. Er wurde in der Schweizer Sendereihe Sternstunde Religion zum Thema befragt „Wozu nützt eigentlich Religion?“.

Auch hier ging es um die Fähigkeit, sich „Anrufen“ zu lassen, um Resonanz und Resonanzachsen, um Beherrschbarkeit, Machbarkeit, Verfügbarmachung und Unverfügbarkeit. In vielen Aussagen ähnlich dem Interview im DLF. Auf sein Buch bin ich sehr gespannt!

Im Anschluss will ich nun einige Auszüge und Zitate aus Gesprächen und Büchern bringen, die mir beim Lesen Deines Briefes in den Sinn gekommen sind:

In Joseph Ratzingers Buch „Einführung in das Christentum“ habe ich gerade nachgelesen. Er erinnert an Martin Heidegger, der vom rechnenden und besinnlichen Denken spricht.

„Beides muss es geben: das rechnende Denken, das der Machbarkeit zugeordnet ist und das besinnliche Denken, das dem Sinn nachdenkt. Man wird dem Freiburger Philosophen wohl auch nicht Unrecht geben können, wenn er die Befürchtung ausdrückt, dass in einer Zeit, in der das rechnende Denken die staunenswertesten Triumphe feiert, der Mensch dennoch, ja vielleicht mehr als zuvor, von der Gedankenlosigkeit bedroht ist, von der Flucht vor dem Denken. Indem er allein dem Machbaren nachdenkt, steht er in der Gefahr zu vergessen, sich selbst, den Sinn seines Seins zu bedenken.“

Interessant auch das Gespräch – von Herrmann, Safranski, Sloterdijk über die Aktualität Heideggers

Es wird von dem gesprochen, was Heidegger als die Not der Notlosigkeit bezeichnete, die es gilt, spürbar zu machen. Oder anders – vom Entzug der Dimension des Heiligen, des Göttlichen und des Gottes in unserer Zeit, was den wenigsten ins Bewusstsein rückt. „Nur noch ein Gott kann uns retten“, äußerte Martin Heidegger 1966 in seinem Spiegelinterview. Viele halten es ja heute mit der Aussage von Max Weber, dass, wer sich dem Glauben zugewandt hat, das »Opfer des Intellektes« gebracht hat.

Was das „ Sich-anrufen-lassen“ und das unmittelbar damit vorausgegangene Hören betrifft, zu dem Du schreibst, dass es im Englischen unterschieden wird in to listen und to hear, so hat mir neulich Rolf einen Auszug aus einem Kommentar zu „Sein und Zeit“ (Heidegger) von Friedrich-Wilhelm von Herrmann gegeben, aus dem ich folgendes zitiere:

„Die Rede gliedert nicht nur im Sprechen, sondern auch im Hören. Nur innerhalb der existenzialen Möglichkeit der Rede im Hören „kann jemand horchen“, gibt es ein geistiges Hinhören, das in sich ausgerichtet ist auf ein geistiges bedeutungsmäßiges Gliedern. Es gibt aber auch so etwas wie das „Nur-herum-hören“, dem die Ausrichtung auf ein konturiertes Hören und Verstehen fehlt: eine „Privation des hörenden Verstehens“.

Fehlt heute die Zeit für das Zuhören, für das Horchen, fehlt das Interesse oder gar die Möglichkeit zu verstehen? An dieser Stelle denke ich an Deinen Artikel über Hermes, den Götterboten – wann unter anderem Verstehen überhaupt erst möglich ist: „Voraussetzung ist, dass mein Gesprächspartner mir sympathisch ist, ich Angst und Scheu überwunden und Vertrauen zu ihm habe und das sichere Gefühl gegenseitigen Interesses.“

Und dann noch: In einer Zeit des Überflusses, der dauernden Präsenz irgendwelcher Medien, dem Druck, ständig etwas oder sich optimieren zu müssen, des Immer-mehr, der Steigerung, der Beherrschbarkeit, des Verfügbarmachens – wo bleibt die Zeit zur Kontemplation, die doch so notwendig für das innere Gleichgewicht ist? Dazu muss ich Dir unbedingt folgendes Zitat von Hans-Georg Gadamer schreiben:

„Ich habe manchmal den Eindruck, dass heutzutage der eigentlich Progressive der ist, der die Geschwindigkeit des Wandels verlangsamen will.“

Gadamer spricht in diesem Interview über den zweifelhaften Allheilmittelcharakter von Emanzipation (bei YouTube)

Ein Zitat zu Nietzsches Aussage über die gefährlichen Lügen. Es stammt von Otto von Bismarck, den Du hier in unserem Blog auch schon oftmals in Deine Betrachtungen mit einbezogen hast:

„Lügen können Kriege in Bewegung setzen, Wahrheit hingegen kann ganze Armeen aufhalten.“

Das aktuelle Weltgeschehen kommentiert dieses Zitat meiner Ansicht nach selbst.

Zum Schluss möchte ich aus dem Buch von Michael Klonovsky zitieren, das vom Gegenteil von Optimierung, Druck und Beherrschbarkeit spricht, von dem ich restlos begeistert bin und deshalb fast versucht wäre, es Dir hier vollständig abzudrucken. Denn als Deine Freundin habe ich das sichere Gefühl, dass auch Dir sein Denken, seine Sprache und Ausdrucksweise sehr zusagen werden. Vielleicht werde ich es Dir zum Geburtstag schenken, wenn ich solange an mich halten kann. Es heißt „Lebens Werte – Über Wein, Kunst, High Heels und andere Freuden“. Unter der Überschrift –Kirchen– findet man vom ungläubigen Autor (wie er sich selbst bezeichnet) folgende Zeilen:

„Ich liebe ihre Stille, ihre Erhabenheit, ihre Schönheit, ihre bergenden Kräfte. Ich mag es, wenn sich der leise Sang der Orgel weihrauchartig bis in die Seitenschiffe ausbreitet – und nicht minder, wenn aus allen Registern gewaltig das Lob des Herren ertönt.….Ich gehe in die Kirche, um den Zauber der Entrückung ins Vorzeitlich-Überzeitliche zu erleben. Sie sind Inseln der Kontemplation im Lärm der Städte und Tunnel in die Tiefe der Zeiten, wo ich Kontakt aufnehmen kann zu denen, die vor mir auf diesem Planeten die großen Fragen stellten und ihre Antworten in Stein verewigten, unsereinen zu erheben und zugleich zu beschämen“

So, lieber Christoph, für genügend Gesprächsstoff zu meinem Geburtstag ist nun wahrlich gesorgt. Ich freue mich auf den Besuch von Ingelore und Dir und unsere gemeinsame Zeit.

Bis dahin, sei lieb gegrüßt von

Deiner Bettina

Hört auf mit der Heuchelei – zur Beendigung des Krieges klare Forderungen an Russland und die Ukraine auf den Tisch

Da gibt es nach einer heutigen Erklärung des ukrainischen Botschafters Melnyk defätistische Pseudointellektuelle wie den Philosophen Precht, der mit Seinesgleichen zum sofortigen Waffenstillstand im Ukrainekrieg aufruft. Vom Aufruf habe ich gehört, gelesen habe ich ihn zwar noch nicht. Ich rechne mich dennoch schon jetzt zu den Defätisten.

Da gibt es die Grünen, die SPD und die CDU/CSU, die der Ukraine Geld und Waffen liefern und sie neben vielen Sanktionen mit einem Gasembargo quasi unbegrenzt weiterhin unterstützen wollen. Zumindest solange, bis die Ukraine aus eigener Entscheidung bereit ist, in Verhandlungen mit dem Aggressor Russland zur Beendigung des Krieges zu treten.

Ich stelle mir das so vor: Das Parlament der Ukraine (die Rada) und der ukrainische Präsident wissen, dass Europa und die USA den Verbündeten Ukraine finanziell, mit Waffen und Sanktionen auf Dauer unterstützen werden. Bis die Ukraine souverän entschieden hat, in Verhandlungen mit Russland zur Beendigung des Krieges zu treten. Die scheinbar bedingungslose Unterstützung – Militär will die NATO nicht einsetzen – ist auch glaubhaft, weil schon seit längerer Zeit und immer mehr geliefert wird. Überdies sagt Europa/Deutschland den Wiederaufbau der Ukraine zu. Und da soll die Ukraine aufgeben? Wäre das nicht Defätismus?

Ich bin davon überzeugt, dass der tapfere ukrainische Präsident Selensky das Leben seiner Ukrainer schützen und das Beste für sein Land will. Er will vielleicht immer noch und sogar unverzüglich verhandeln. Kann er das aber überhaupt ?

Wie soll angesichts einer bedingungslosen umfangreichen Unterstützung aus den USA und Deutschland/Europa der beredte Präsident die Rada, die ausgehungerte Wirtschaft, die gierigen Oligarchen, die tapfere Armee und seine schwer geprüften Ukrainer mit den vielen Verlusten an Leib und Leben, ja sich selbst davon überzeugen, im Rahmen einer Verständigung auf nur einen Quadratmeter Land zu verzichten? Ohne als Defätist dazustehen, wie es schon jetzt Herr Melnyk bei Herrn Precht und Konsorten exerziert. Was wird Herr Melnyk seinem Präsidenten antun?

Hier beginnt aber auch die Heuchelei der westlichen Politiker mit Herrn Biden, Herrn Macron und Herrn Scholz an der Spitze. Sie wissen genau, dass der ukrainische Präsident vor der ukrainischen Öffentlichkeit mit Putins Russland einen Verständigungsfrieden – beispielsweise unter Abgabe der Krim – von sich aus nicht mehr vorschlagen und riskieren kann.

Wird das Ende des Krieges in der Ukraine mit einer Atommacht von Herrn Biden also überhaupt gewollt? Oder geht es um eine „Ermattung“ der Russen? Der USA-Experte Prof. Hacke hat das zuletzt in der Sendung Maischberger kritisch zum Thema gemacht, unsicher beäugt von Frau Maischberger. „Die USA bekämpfen Russland bis zum letzten Ukrainer“, zitiert der Journalist Küppersbusch einen amerikanischen Journalisten in der gleichen Sendung und überzeichnet so hoffentlich die wahre Lage der Ukrainer um einiges. Jedenfalls kann sich so Vietnam oder Afghanistan mit vielen toten Amerikanern nicht wiederholen, „denkt der Präsident“.

Glauben wir an das Gute im Menschen.

Deshalb fordere ich folgende Forderung an Kiew aus Berlin und erinnere den Bundeskanzler an seinen Amtseid:

Die Ukraine muss verhandeln und Verluste für die Beendigung des mörderischen und von Russland ausgegangenen Krieges akzeptieren, wenn sie weiter unterstützt werden will:

Verlust der Krim, eine neutrale Ukraine, keine Zugehörigkeit zur NATO.

Oder anders gesagt, die Ukraine ist souverän und kann entscheiden wie sie will – dann aber ohne Unterstützung und Anreize zum Durchhalten von außen.

Ich sehe keinen Grund dafür, dass meine Kinder, nein alle Deutschen leiden und sich Sorgen machen müssen, weil die Ukrainer nicht auf etwas verzichten wollen oder sollen, was de facto aus vielen Gründen – eine zweite lange Geschichte – schon 2014 verloren gegangen ist.

Reinhart Zarneckow

P.S. Wenn die NATO heute eine zweite Eiszeit – Demokratie gegen Autokratie – ausruft, wird sie die Bürger, die wegen der Erwärmung des Planeten durch CO2 in großer Sorge sind, damit auch nicht beruhigen.

Deutschland droht die Beteiligung an einem europäischen Krieg – ohne Sinn und Verstand

Hauptfriedhof Frankfurt (Oder)

Der offene Brief an Bundeskanzler Scholz, den ich unterschrieben habe, sollte Maßstab für eine mutige Politik Deutschlands sein. Unterzeichnen Sie ihn doch auch, es ist Gefahr im Verzuge.

https://www.emma.de/artikel/offener-brief-bundeskanzler-scholz-339463

Hier mein Wunschbild für die Gestaltung der deutschen Außenpolitik:

1. Die ukrainische wird von der deutschen Regierung aufgefordert werden, den Botschafter Melnyk abzuberufen und setzt so ein Zeichen für den ukrainischen Präsidenten und alle NATO-Staaten.

Der ukrainische Botschafter Melnyk macht Deutschland öffentlich zur Kriegspartei, indem er die Aussage „Kriegspartei Deutschland“ dem russischen Präsidenten Putin in den Mund legt. Daraus leitet er die ukrainische Forderung an Deutschland zur Lieferung „modernster“ Waffen und weiterer Milliarden Euro ab. Der 3. Weltkrieg habe schon begonnen. Die Politik des Bundeskanzlers sei zu „träge“.

Der Botschafter verletzt das Gastrecht und schadet Deutschland.

2. Die europäischen Staaten oder auch nur Deutschland, versuchen in glaubwürdiger Weise mit der Ukraine und Russland über einen Verständigungsfrieden zu verhandeln. Alleine schaffen sie es bestimmt nicht. Die USA sind in einer zweiten Runde, wenn sie es wollen, dabei.

Russland und die Ukraine haben 8 Jahre über die Durchführung von Minsk 2 verhandelt. Beide Seiten haben das Minsker Abkommen nicht eingehalten. Frieden wird es nur durch eine Verständigung geben, bei der Deutschland mit anderen europäischen Staaten mitwirken und so nicht nur Russland sondern auch der Ukraine Druck machen.

Gegenwärtig wird gerade Europa „zerdeppert“, weil sich alle Seiten noch Hoffnungen auf einen Diktatfrieden machen. Deutschland darf nicht wegen des Leides der Ukrainer Krokodilstränen vergießen. Es soll vielmehr bei einem Verständigungsfrieden nach dem Motto, alle Seiten packen ihre Forderungen auf den Tisch, entscheidend mitwirken. Russland muss lernen, dass Westeuropa und nicht die USA federführend ist. Europa muss das auf sich nehmen, um einen europäischen Krieg zu vermeiden. Denn es geht um unsere Haut, Amerika ist einige tausend Kilometer weit weg.

3. Deutschland geht auf Abstand zu den USA.

Die USA provozieren die Forderung eines Diktatfriedens der Ukraine gegenüber der angeblichen Regionalmacht Russland (so Herr Obama) und haben andere Interessen als Europa. Deshalb verhindert das Schielen auf die USA oder ein Barmen – ohne sie sind wir verloren – nur einen Verständigungsfrieden:

Der Verteidigungsminister hat der ukrainischen Regierung bedeutet, dass der Krieg mit den amerikanischen Waffen auch auf das Territorium von Russland zur Zerstörung der gegnerischen Logistik ausgedehnt werden kann.

Der Außenminister und der Verteidigungsminister der USA haben nach ihrem letzten Besuch in Kiew erklärt, dass die Ukraine militärisch siegen sollte. Und nach dem militärischen Sieg müsse dafür gesorgt werden, dass die Atommacht Russland niemals mehr in der Lage ist, einen Überfall auf die Ukraine zu wiederholen.

Bei solchen Plänen sollten gerade die Deutschen von einer kreatürlichen Angst ergriffen werden.

1919 wurde den Deutschen in Versaille ein Vertrag diktiert, der u.a. eine Wiederaufrüstung des Deutschen Reiches verhindern sollte. 20 Jahre später hatte das Deutsche Reich angeblich die stärkste Armee der Welt. Warum sollte das bei den Russen anders sein.

4. Das deutsche Interesse an einem Verständigungsfrieden zwischen Russland und der Ukraine gilt ohne wenn und aber und bestimmt die deutsche Außenpolitik.

Dies gilt selbst dann, wenn ein militärischer Sieg der Ukraine möglich wird. Wenn für einen Verständigungsfrieden bei der Ukraine etwa im Hinblick auf seine Partnerschaft mit den USA keine Bereitschaft besteht, dürfen Deutschland und Europa der Ukraine nicht helfen.

Bisher sind nachhaltige Bemühungen weder seitens Deutschlands, der EU oder der NATO für einen Verständigungsfrieden festzustellen. Telefonieren reicht nicht.

5. Wir brauchen eine neue Regierung, nicht unbedingt einen neuen Bundeskanzler.

Deutschland benötigt Persönlichkeiten, die die diplomatischen Gespräche mit Russland und der Ukraine führen. Die Grünen wie die FDP setzen auf die Karte „gegebenenfalls auch Krieg.“ Für die CDU/CSU gilt das derzeit auch. Durch Verhandlungen mit der CDU/CSU sollte festgestellt werden, ob sie sich einen Wechsel in eine Regierungskoalition mit der SPD und eine Friedenspolitik sprich Unterstützung eines Verständigungsfriedens zwischen der Ukraine und Russland vorstellen können. Wo bleibt Frau Merkel mit ihren Anhängern? Ihr ehemaliger Berater General Vad hat sich ja schon überzeugend gemeldet.

6. Neuwahlen?!

Reinhart Zarneckow