Es heilt die Zeit …

Bezaubernd lockte mich der Frühling, 
bot wirklich alles auf.
Erweckt aus winterlicher Stille, 
ward ich geküsst vom Lebenshauch. 

Vom Liebreiz der Natur umgarnt,
konnt' ich auf Wolken schweben.
Mich zog's voll süßer Leidenschaft 
des Sommers Glut entgegen. 

Doch unverhofft wurd' mir genommen,
was meine Seele sang.
Ein Mix aus dunkler Jahreszeit
war das, was nun erklang.

Auf ewig bleibt der Sommer fort?
Mein Herz verletzt und schwer. 
Kein Sinn für Unbesiegbarkeit,
kein Geigenhimmel mehr. 

Nur, ... Kummer nicht zeitlebens bleibt,
weil's Dasein neue Blüten treibt!

Bettina Zarneckow

Unerwünscht

Ein Mensch geht seinen Weg durchs Leben, 
mit Koffern, herzbefüllt. 
Sein Wunsch, den Reichtum zu verschenken, 
bleibt gänzlich unerfüllt. 

Wer mag schon derart viel Gefühl? 
Wie soll man's deponieren? 
Deshalb verschließt er sein Gepäck. 
Er würde doch erfrieren. 

Man fand ihn still auf einer Bank, 
die Koffer fest umschlungen. 
Kein Wort kam mehr aus seinem Mund. 
Sein Wünschen war verklungen. 

Bettina Zarneckow 

Mit diesem Gedicht, das ich in Anlehnung an seine Gedichtreihe „Ein Mensch“ geschrieben habe, möchte ich an Eugen Roth erinnern. Und diejenigen, die ihn nicht kennen, auf ihn aufmerksam machen.

„Vom Ernst des Lebens halb verschont ist der schon, der in München wohnt.“ Eugen Roth (1895-1976, deutscher Lyriker)

wurde ebendort geboren und lebte zeitlebens in der Stadt. Seine Gedichte und Geschichten habe ich vor vielen Jahren entdeckt, als ich eine nicht ganz einfache Zeit in meinem Leben durchstehen musste.

„Er war der Mann fürs Heitere, das er – wie kein Zweiter – im Ernst des Lebens fand.“ (Deutschlandfunk 24.01.2020). Seine Überzeugung war, dass aller Humor auf einer Grundtrauer beruht. Aber auch ernste Texte zählen zu dem, was er uns hinterlassen hat. In Zeiten, die wir gerade erleben, können Lebensweisheiten aus seiner Feder tröstende Ablenkung von bedrückenden Nachrichten des Alltags sein. Seine scheinbar leichten Verse haben einen wohltuenden Tiefgang. So empfinde ich es.

„Ein Mensch vergesse eines nicht: auch Unwägbares hat Gewicht!“ Eugen Roth

Bücher von Eugen Roth: „Ein Mensch“, „Sämtliche Menschen“, „Mensch und Unmensch“, „Mir geht’s schon besser, Herr Professor“

Eigenliebe

– oder nichts ist gemeint, so wie es scheint – eine Lebenserfahrung

Manchmal lassen einen Dinge nicht los, die der Vergangenheit angehören. Mir hilft, sie aufzuschreiben, um sie ablegen zu können. Archivieren bringt Ordnung und hilft beim Bewahren. Nicht alles sollte man vergessen. Nicht alles möchte man vergessen. Erfahrungen machen das Leben aus und sind hilfreiche Geländer. (siehe meine „Erinnerungen“ 08/2020, hier im Blog) Mit klarem Blick zurück habe ich Folgendes aufgeschrieben. Besser zu verstehen ist es wohl für denjenigen, der Ähnliches erlebt hat.

Wenn ohne Grund ein Herz dir weicht, 
ganz einfach deine Segel streicht,
nach guten, kreativen Zeiten, 
dann lohnt es nicht darum zu streiten. 

Wer unstet strebt - sucht nur Gewinn -
und so verpasst des Lebens Sinn,
dem weine keine Träne nach.
Sein Stachel schon zu oft dich stach. 

Am Weg zu seinem Paradies,
er manchen achtlos stehen ließ; 
ihn obendrein um Rat noch fragte,
sich seelisch reichlich an ihm labte.

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Es braucht Distanz für klare Sicht,
denn Nähe schützt vor Torheit nicht. 

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…

Sein Schicksal, wie ein Déjà vu, 
spielt stets die gleiche Melodie. 
Mal himmelhoch, dann tief betrübt, 
zu oft sehr hart darin geübt.

Dabei war er einst hoffnungsfroh, 
dann kam sein Warten auf Godot...

Fortan lebt er in Gegensätzen, 
womöglich will er nicht verletzen. 
Nur hat er oftmals keine Wahl, 
sonst wird er selbst zu seiner Qual. 
 
Bedrückt durch egomanes Treiben, 
ist es von Vorteil fern zu bleiben. 
Grad noch erkannt, wenn auch geschunden,
half Abstand trefflich beim Gesunden.

Dem armen Tropf hab ich vergeben. 
Er muss mit seinem Fatum leben.
Ich hörte zu, hab mitgetragen,
doch das ist Schnee aus fernen Tagen.

Bettina Zarneckow

„Hoff, o du arme Seele, hoff und sei unverzagt!“ Paul Gerhardt