Befreundete Wege

Wie weit ist zu weit, wie nah, nah genug, 
wer herrschet über die Ferne?
Wer bändigt das Streben zum Nahsein, zum Leben,
wer hindert das Leuchten der Sterne?
Kaum gehbare Stege, belagerte Wege,
kostbare Zeit rinnt dahin.
Freudenleer schwindet Stund' um Stund',
vernebeltes Sein sucht nach Sinn.
Doch manches Mal funkelt in lautester Stille 
ein wärmendes Licht - voller Kraft,
erinnert uns an Verbundenheit,
bringt selig durch tiefdunkle Nacht.

Bettina Zarneckow

Was im Leben trägt…

Der Wunsch, die Zeit zurückzudrehen,
um einem Übel zu entgehen,
ist sicher dann nur von Geschick,
geht's just um einen Augenblick.
Hat sich gebahnt, was dich ereilte,
schon zeitenlang im Köcher weilte,
die Windsee, ordentlich gebläht,
sich plötzlich über dir entlädt.-
Dann heißt es Gleichmut zu bewahren, 
ausweichend heftigem Gebaren,
zu retten, was zu retten ist,
wenn du der Freund vom Freunde bist.
Doch eh' die Brandung sich entleert, 
der Scherbenberg zusammengekehrt,
weißt du die Freundschaft unberührt,
wie heftig sie auch anvisiert.
Die Gischt zersprüht am Uferstein,
der Sturmwind stellt sein Tosen ein.
Das Meer mit stiller Kraft erhält,
was Leben trägt in dieser Welt.

Bettina Zarneckow

Was ich dir sagen wollte

Gedanken gezügelt, Gefühle vergraben, 
dein Bild aus Sinnen und Herzen gedrängt.
Vernommene Worte, gelesene Zeilen 
in die Nacht des sanften Vergessens versenkt. 
Doch Herr über Sehnsucht wirst du nie sein. 
Gekonnt schreibt sie sich in Zeitlichkeit ein.
Leib, Seele und Geist sind entkräftet im Kampfe, 
erschöpft vom Leugnen und Bannen.
Werd' nichts mehr vergraben, nichts zügeln, versenken. 
Zärtlich und ewig will ich an dich denken.

Bettina Zarneckow