Befreundete Wege

Wie weit ist zu weit, wie nah, nah genug, 
wer herrschet über die Ferne?
Wer bändigt das Streben zum Nahsein, zum Leben,
wer hindert das Leuchten der Sterne?
Kaum gehbare Stege, belagerte Wege,
kostbare Zeit rinnt dahin.
Freudenleer schwindet Stund' um Stund',
vernebeltes Sein sucht nach Sinn.
Doch manches Mal funkelt in lautester Stille 
ein wärmendes Licht - voller Kraft,
erinnert uns an Verbundenheit,
bringt selig durch tiefdunkle Nacht.

Bettina Zarneckow

Des Trübsals Trost

Es ist nun Herbst, spürst du am Morgen; 
feucht kühl der Nebel dich umfängt.
Im Geiste sind dir viele Sorgen,
Melancholie dein Herz bedrängt.
Vertraust nicht mehr der Kraft der Sonne, 
die alles Dunkel je bezwingt -
glaubst nicht mehr an die Macht der Liebe,
die Welt für dich zum Funkeln bringt.
Doch unverhofft berührt dich Wärme, 
strahlt durch entblättertes Geäst.
Es ist die sanfte Hand des Freundes,
die Tage wieder blühen lässt.

Bettina Zarneckow